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Projekt «2000 Flaschen für Südasien»

Erfahrungsbericht von Nicolas Koslowski

 

"Wenn man lange Strecken mit dem Flugzeug reist, dabei in der neutralen Kabine sitzt und kaum merkt wie unter einem die Kontinente vorbeiziehen, dann ist die Flugzeugluke wie ein Tor in eine neue Welt. So standen wir plötzlich in Mumbai, einer Metropole mit mehr als doppelt so vielen Einwohnern wie die Schweiz, hörten ohrenbetäubendes Gehupe, schwitzten bei 40°C und verstanden kein einziges Wort um uns herum.

 

Der klassische Weg wäre nun gewesen, sich von einem Shuttle abholen zu lassen, einzuchecken und am nächsten Tag die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt in Flip Flops zu erkunden. Unser Aufenthalt sollte nichts damit zu tun haben. Wir wurden am Flughafen von Freunden, die wir über das Internet von unserem Projekt überzeugen konnten, abgeholt und bei Verwandten von ihnen untergebracht.

 

Das Programm für unsere Woche in Mumbai stand fest und wir waren motiviert, so viel wie möglich für Liter of Light zu erreichen. Jeden Morgen hielten wir Präsentationen und Workshops in Schulen und Universitäten. Dabei trafen wir auf höchst disziplinierte und interessierte Schüler und Studenten. Aufgrund der sozialen Programme des indischen Staates waren viele der Studierenden in den Hörsälen selbst Slumbewohner. Wir zeigten Fotos, sprachen über Erfahrungen, beantworteten Fragen und zeigten den Effekt in einer Showbox. Die Idee kam gut an.

 

Und so sahen wir viele unserer neuen Kontakte in den nächsten Tagen wieder, als sie uns in den Slums geholfen haben, Flaschen zu installieren. Des Weiteren haben uns unsere Freunde von Liter of Light Mumbai und Jal Jyoti, ein gemeinnütziger Studentenverein, geholfen. Denn die Tatsache, dass wir den Menschen ein Loch in ihr Dach bohren wollten, ist nicht so leicht zu verkaufen. Trotzdem fanden sich jedes Mal zahlreiche mutige Slumbewohner, die uns baten, die erste Flasche bei ihnen zu installieren. Dabei wurden wir von den Bewohnern der Häuser tatkräftig unterstützt. Häufig standen wir nur daneben, erklärten die Arbeitsschritte und schauten den Bewohnern bei der Installation zu. Das Loch jedoch wollten die meisten lieber selbst in ihr Dach bohren. Nach erfolgreicher Installation genossen wir den Effekt. Es bildeten sich Schlangen vor den Hütten, da alle sehen wollten, was sich veränderte. Der Lohn einer jeden Installation war eine glückliche Familie. Schnell hatten wir Wartelisten und kamen an die Grenzen unserer Kapazität. Man könnte sagen, dass durch unsere Pilotinstallationen den Leuten im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufging. Wir sind uns sicher, dass nach uns noch viele Solarflaschen installiert werden.

 

Mit dem Untergang der Sonne verabschiedeten wir uns, fuhren nach Hause, wechselten die von der Arbeit verklebte Kleidung und fuhren zum Abendessen mit unseren Unterstützern (der Filmemacher Kamal, der Schweizer Konsul Herr Nievergelt). Am folgenden Tag ging es weiter: Jede beleuchtete Hütte motivierte uns mehr.

 

In dieser Woche haben wir viel erlebt. Wir haben die indische Kultur aus der Nähe kennengelernt, indem wir mit Menschen in Kontakt kamen, die für die meisten Touristen unerreichbar sind. Wir haben mit Indern zusammengelebt und ihre unbeschreibliche Hilfsbereitschaft erfahren können. Die Reise nach Indien war somit nicht nur für Liter of Light, sondern auch für uns als Menschen ein voller Erfolg."

Acht Mitglieder der studentischen Initiative Liter of Light Switzerland reisten für zwei Wochen nach Indien und Bangladesch, um vor Ort die Idee des Lichts aus einer Solarflasche zu verbreiten und somit ärmeren Haushalten Zugang zu einer ökologischen sowie kostengünstigen Lichtquelle zu ermöglichen.

Projektbeschreibung

Vom Schweizer Team sind während der zwei Wochen insgesamt 32 Solarflaschen in den Slums von Hyderabad, Mumbai und Dhaka installiert worden; der Fokus lag aber vor allem darauf, neue Liter of Light Organisationen vor Ort zu initiieren. Und um Mitglieder zu gewinnen, organisierten wir zahlreiche Workshops an verschiedenen Universitäten und trafen auf sehr viele interessierte Studierende, welche sich langfristig für die Idee engagieren wollen. So halfen uns ca. 50 Freiwillige bei unseren Installationen. Als Schweizer Gruppe konnten wir die lokalen Organisationen auch mit Kontakten vor Ort unterstützen. So sprachen wir beispielsweise in Bangladesch mit dem Schweizer Botschafter und konnten auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für unsere Idee begeistern. Zudem haben wir bereits einige lokale Social Entrepreneure gewinnen können, welche wir anfangs mit Geld aus dem Fonds unterstützen werden.

 

Das Projekt lieferte auch einen wesentlichen Beitrag zur Verknüpfung der verschiedenen Liter of Light Bewegungen auf der ganzen Welt. So traf das Team in Hyderabad Iliac Diaz, welcher auf den Philippinen die grösste nationale Liter of Light Bewegung startete. Auch ein spanisches Mitglied war vor Ort und wird die Idee demnächst nach Mexiko bringen.

 

Wegen unserer zahlreichen Aktivitäten berichtete auch die überregionale Presse über die Idee der Solarflasche. Es gab beispielsweise einen Artikel in der Times of India, der grössten indischen Zeitung, und in Bangladesch kam es sogar zu einem Fernsehbeitrag. In Mumbai und Hyderabad wurde zudem fleissig Videomaterial durch ein professionelles Filmteam gesammelt, welches momentan in einen kleinen Film verarbeitet wird.

 

Insgesamt konnten wir zahlreiche Familien in ärmeren Gegenden mit der Idee der Solarflasche vertraut machen und haben vor allem den Grundstein für eine nachhaltige Ausbreitung der Idee gelegt.

 

Vielen Dank unseren Freunden und Förderern, die uns dies ermöglicht haben!